Forschungsprofil
Forschung
Meine Forschung befasst sich damit, wie metabolische, psychologische und entwicklungsbezogene Faktoren Stress- und Entspannungsreaktionen beeinflussen und wie diese Prozesse mit Verhalten und Gesundheit über die gesamte Lebensspanne hinweg zusammenhängen.
Stoffwechselfaktoren, Stress und Entspannung
Glukose und Insulin beeinflussen Stress- und Entspannungsreaktionen und können das Verhalten und das Gedächtnis prägen.
Maßnahmen zur Stressbewältigung und zur Förderung der Entspannung
Alltägliche Aktivitäten, Fitness und psychologische Maßnahmen können dazu beitragen, Stressreaktionen abzumildern und die Entspannung zu fördern.
Langfristige gesundheitliche Folgen von Stress in der frühen Kindheit
Kindheitstraumata, Missbrauch und Vernachlässigung können die langfristige Gesundheit beeinflussen und das Risiko für psychische Erkrankungen im Erwachsenenalter erhöhen.
Einfluss metabolischer Faktoren auf Stress und Entspannung
Ein Schwerpunkt meiner Forschung liegt auf der regulierenden Rolle von Glukose bei Stress- und Entspannungsreaktionen. In Übereinstimmung mit früheren Arbeiten haben wir festgestellt, dass Glukose die Cortisol-Stressreaktion verstärken kann, während die diesem Effekt zugrunde liegenden Mechanismen und seine verhaltensbezogenen Folgen noch nicht ausreichend verstanden sind. Im weiteren Sinne untersucht dieser Forschungsansatz, wie metabolische Faktoren wie Glukose und Insulin die endokrinen, kardiovaskulären und neuronalen Reaktionen auf Stress und Entspannung beeinflussen.
Glukose und stressbezogenes Gedächtnis
In einer kürzlich veröffentlichten Studie haben wir untersucht, ob die durch Glukose bedingte Verstärkung der Cortisol-Stressreaktion auch das Langzeitgedächtnis beeinflusst. Die Teilnehmer nahmen entweder Glukose oder Wasser zu sich, bevor sie einem psychosozialen Stressor oder einer stressfreien Kontrollbedingung ausgesetzt wurden. Glukose erhöhte zwar die Cortisolreaktivität, veränderte jedoch nicht die Auswirkungen von Stress auf das Gedächtnis. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Glukose die Cortisol-Stressreaktion verstärkt, ohne die Erinnerung an stressreiche Ereignisse zu verändern.
Sweet Stress
»Sweet Stress« untersucht die regulierende Rolle von Glukose und Insulin bei neuronalen, endokrinen und kardiovaskulären Stressreaktionen sowie beim Risikoverhalten. In diesem laufenden Projekt nehmen gesunde, nüchterne Erwachsene entweder Glukose oder Wasser zu sich, bevor sie akutem Stress ausgesetzt werden und die »Balloon Analogue Risk Task« (BART) absolvieren. Die Studie kombiniert endokrine, kardiovaskuläre und neuronale Messungen, darunter Speichelcortisol, kapillare und venöse Blutproben, Elektrokardiographie und funktionelle Nahinfrarotspektroskopie, um die Mechanismen besser zu verstehen, durch die metabolische Faktoren die Stressreaktivität beeinflussen. Das Projekt wird von der Messmer-Stiftung finanziert, die Datenerhebung läuft derzeit, und eine Vorregistrierung wurde veröffentlicht. Mehrere Bachelor- und Masterstudierende sind derzeit an dem Projekt beteiligt.
Illustration von Dr. Sophie Elschner
Illustration von Dr. Sophie Elschner
Sweet Memories
»Sweet Memories« befasst sich mit der Rolle der glukoseabhängigen Insulinfreisetzung bei der Stressreaktion und im Langzeitgedächtnis. In einer ersten Studie haben wir untersucht, ob Glukose das Gedächtnis für stressrelevantes und nicht stressrelevantes Material beeinflusst. Obwohl Glukose die Cortisol-Stressreaktion verstärkte, hatte sie keinen Einfluss auf die Wirkung von Stress auf das Langzeitgedächtnis. Eine zweite, derzeit laufende Studie knüpft an diese Arbeit an und untersucht Insulin direkter als potenziellen Mediator in diesem Zusammenhang. Die Folgestudie wird vom Young Scholar Fund der Universität Konstanz finanziert.
Maßnahmen zur Stressbewältigung und zur Förderung der Entspannung
Ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Wirkung psychologischer Interventionen, die Stressreaktionen abfedern und/oder die Entspannung fördern. In diesem Forschungsbereich haben wir untersucht, ob alltägliche Aktivitäten und körperliche Fitness eine stressabfedernde Wirkung haben können und ob Interventionen wie Energie-Priming (»Dieses Getränk enthält Zucker und gibt dir Energie«) oder Lachyoga die psychophysiologische Stressreaktion verändern. Zudem habe ich achtsamkeits- und entspannungsbasierte Methoden wie Massagen und Atemübungen eingesetzt, um im Labor psychophysiologische Entspannungsreaktionen hervorzurufen. In zukünftigen Projekten möchte ich die Mechanismen, Determinanten und Folgen solcher stresspuffernden und entspannenden Effekte weiter untersuchen.
Beide Massageprotokolle führten im Vergleich zur Ruhephase zu einer stärkeren physiologischen Entspannung, gemessen anhand der Herzfrequenzvariabilität.
Massage und Entspannung
In dieser Studie wurde untersucht, ob standardisierte Massageprotokolle im Labor zuverlässig eine psychophysiologische Entspannung bewirken können. Beide Massageinterventionen führten im Vergleich zur Ruhephase zu einem Anstieg der physiologischen Entspannungsmarker, was darauf hindeutet, dass berührungsbasierte Protokolle nützliche Instrumente zur Untersuchung von Entspannungsreaktionen sein können.
Lachyoga als Stresspuffer
In dieser Studie wurde untersucht, ob eine einzige Lachyoga-Sitzung die physiologische Reaktion auf akuten Stress abfedern kann. Während sich die subjektiven Stressbewertungen zwischen den Gruppen nicht unterschieden, reduzierte Lachyoga die Cortisolreaktion, was darauf hindeutet, dass kurze, leicht zugängliche Interventionen dazu beitragen können, die endokrine Stressreaktivität zu modulieren.
Eine einzige Lachyoga-Sitzung schwächte die Cortisolreaktion auf Stress ab, während die subjektiven Stressbewertungen unverändert blieben.
Glukose veränderte die Herzreaktion des Körpers während der Massage, vor allem durch eine verstärkte Aktivierung des Sympathikus.
Glukose und durch Massage hervorgerufene Entspannung
Entspannung wird nicht nur durch die Intervention selbst beeinflusst, sondern auch durch den Stoffwechselzustand des Körpers. In dieser Studie nahmen gesunde Erwachsene vor einer standardisierten Massage oder einer Ruhebehandlung entweder Glukose oder Wasser zu sich. Sowohl die Massage als auch die Ruhephase führten zu einer erhöhten parasympathischen Aktivität, doch Glukose verstärkte die sympathische Aktivierung und verhinderte den Rückgang der sympathischen Aktivität während der Massage. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Glukose die physiologische Entspannungsreaktion des Körpers beeinflussen kann, selbst wenn Entspannungsmaßnahmen angewendet werden.
Langfristige gesundheitliche Folgen von Stress in der frühen Kindheit
Ein dritter Schwerpunkt meiner Forschung liegt auf den langfristigen gesundheitlichen Folgen von Stress in der frühen Kindheit. Anhand von Längsschnittstudien mit Hochrisikostichproben untersuche ich, wie Kindheitstraumata, Missbrauch und Vernachlässigung die Stress- und Entspannungsreaktionssysteme, die psychische Gesundheit sowie biologische Marker wie die epigenetische Alterung im Erwachsenenalter beeinflussen können.
Aktueller Preprint
In einer aktuellen, vorab registrierten Replikationsstudie untersuchen wir, ob verschiedene Arten von Misshandlung in der Kindheit mit gemeinsamen oder typenspezifischen DNA-Methylierungsmustern bei einer Hochrisikostichprobe von jungen Erwachsenen in Verbindung stehen, die früher außerhalb ihrer Familie untergebracht waren. Das Projekt baut auf früheren Erkenntnissen auf und untersucht, ob epigenetische Signaturen von Misshandlung in einer anderen gefährdeten Bevölkerungsgruppe repliziert werden können.
In dieser Hochrisikostichprobe hing eine stärkere Traumabelastung in der Kindheit mit verlangsamter epigenetischer Alterung zusammen.
Kindheitstraumata und epigenetische Alterungsverlangsamung
Kindheitstraumata können Spuren in biologischen Alterungsprozessen hinterlassen. An einer Stichprobe junger Erwachsener, die in ihrer Jugend in Heimen untergebracht waren, wurde das epigenetische Alter anhand von DNA-Methylierungsdaten unter Verwendung der epigenetischen Uhren von Horvath und Hannum geschätzt. Kindheitstraumata, insbesondere körperliche Vernachlässigung, standen im Zusammenhang mit einem verlangsamten epigenetischen Alterungsprozess, während die lebenslange Traumatisierung keine signifikante Vorhersagekraft für die Residualwerte des epigenetischen Alters hatte.
Zeitpunkt und Art der Kindesmisshandlung
In dieser Studie wurde untersucht, inwiefern verschiedene Arten und der Zeitpunkt des Auftretens von Misshandlung in der Kindheit psychopathologische Störungen bei jungen Erwachsenen vorhersagen, die zuvor in Fremdunterbringung waren. Mithilfe einer bedingten Random-Forest-Regression ergab die Studie, dass globale Misshandlungsindikatoren stärkere Prädiktoren für internalisierende Probleme waren, während Missbrauch in der frühen Kindheit besonders relevant für externalisierende Probleme war.
Unterschiedliche Arten und Zeitpunkte kindlicher Misshandlung zeigten unterschiedliche Vorhersagemuster für internalisierende und externalisierende Probleme.